Bobs und Skeletons auf Weltreise

Wie DHL Logistikprofis die Spezialtransporte managen

Im Winter sind die deutschen Bob- und Skeleton-Nationalmannschaften permanent unterwegs von Wettkampf zu Wettkampf – ebenso wie ihr Equipment. In vielen Fällen wird es von DHL versendet, denn wir sind Spezialist für Transportlogistik rund um Großevents. Doch wie kommen die Schlitten pünktlich und heil von einem Austragungsort zum anderen? Nehmen wir beispielsweise die Weltcup-Saison 2019/20: In dieser werden acht Tonnen Material zu sieben Austragungsorten in Nordamerika und Europa transportiert. Dabei sind die einzelnen Schritte zeitlich eng getaktet.

Von Berchtesgaden aus um die Welt

Los geht es in Berchtesgaden, unweit vom Königssee, wo der BSD (Bob- und Schlittenverband für Deutschland) zu Hause ist. Auf dem Gelände dort wuselt es seit Stunden. 30 deutsche Top-Athleten sowie das Trainer- und Betreuungsteam packen ihr Equipment in große Alu-Kisten – und das tun sie am liebsten selbst. Auf diese Weise haben sie ein Auge darauf, dass kein wichtiges Teil vergessen wird. Auf der Packliste stehen Schlitten, Trainingsanzüge, Helme, Handschuhe, Schuhe, aber auch Werkzeug und Fitnessgeräte wie Hanteln. Die Sportkleidung wird gleich doppelt eingepackt, damit zur Not Ersatz da ist. Auch für die Kufen gibt es Ersatz, nur die Schlitten selbst existieren nur einmal. Insgesamt kommen 20 Kisten mit jeweils rund 1.000 Teilen zusammen.

Die Sportler packen ihre Bobs selbst in die großen DHL Container, wie unsere Slideshow mit Impressionen von den Vorbereitungen für den Übersee-Transport zeigt:

Beim initialen Packen und Verladen der Kisten in Berchtesgaden ist Marcel Morgens dabei, Project Manager bei DHL Global Events Logistics. Er betreut die Transporte operativ zusammen mit Michael Schwab, dem Teambetreuer des BSD. Die Weltcup-Reiseroute umfasst sieben Stationen. Gleich danach folgt das absolute Saison-Highlight: die renommierte WM im sächsischen Altenberg. „Der Transportweg wird vorab minutiös geplant und mit allen Beteiligten abgestimmt, damit das enge Timing eingehalten werden kann“, erläutert Morgens. „Gleichzeitig müssen wir flexibel bleiben. Kurzfristige Änderungen bleiben in unserem Job nie aus. Beispielsweise wurde der Weltcup-Auftakt verlegt, da es einen technischen Defekt in der Eisherstellung gab. Und das Ganze nur vier Wochen vor dem geplanten Termin.“ Daher starten die Rennen am 7. Dezember 2019 jetzt in Lake Placid, USA. Zwölf Wochen später finden dann die finalen Weltcup-Rennen in Sigulda, Lettland, statt.

Die gepackten Kisten wiegen zusammen acht Tonnen und passen in zwei Lkws, die am nächsten Morgen bereits warten. Mit den nötigen Frachtpapieren ausgestattet, fahren sie in Richtung Flughafen los. Wo immer es geht, wird natürlich zu Lande transportiert; die übrigen Strecken reisen die Bobs und Skeletons auf dem Luftweg. Der Seeweg kommt angesichts des engen Timings ohnehin nicht in Frage.

Erstaunliche Zahlen und Fakten rund um den Transport des Equipments und seine Reiseroute zeigt unser animiertes Video:

Umsicht und Vorbereitung zahlen sich aus

Beim Transport der wertvollen Hightech-Schlitten ist besondere Umsicht gefragt. Neuralgische Punkte sind der Sicherheitscheck am Flughafen und der Zoll. Und diese beiden Prüfstellen durchläuft die Spezialfracht während der Weltcup-Saison gleich mehrmals. Bei der Sicherheitskontrolle werden die Kisten durch einen riesigen Frachtscanner geschoben: eine Art Bodyscanner, nur in groß. Er durchleuchtet die Fracht mittels Röntgenstahlen.

Heute läuft es wie am Schnürchen, denn Marcel Morgens hat zusammen mit Michael Schwab alles bestens vorbereitet: Den Transport haben sie so geplant, dass keine Gefahrgüter in der Fracht sind und nichts deklariert werden muss. Da keine Batterien oder Sprays eingepackt wurden, kommt die Ware auch schnell durch den Sicherheitscheck. Nahrung und Arzneimittel sind ebenfalls tabu.

„Um den Zoll zügig zu passieren, hat es sich bewährt, die Fracht nicht nur ordentlich zu beschriften“, verrät uns Robert Knestele, Head of Sales bei DHL Global Events Logistics, „sondern auch mit einem Foto des Inhalts zu versehen. In der Vergangenheit war das schon bei vielen internationalen Transporten nützlich“, sagt der Logistikexperte, der seit mehr als 20 Jahren Logistiktransporte für Events betreut. „Je weniger man erklären muss, desto besser“, ist seine Devise. Schließlich sind Güter wie Bobs nicht jedem Zoll-Mitarbeiter vertraut. Außerdem helfen die Bilder bei etwaigen Sprachbarrieren und verhindern auf diese Weise, dass die Kisten durch den Zoll geöffnet werden, was den Zeitplan gefährden kann.

DHL Projektmanager und der Fahrer verladen die wertvolle Fracht gemeinsam in den 40-Tonner:

Die Uhr immer im Blick

Für die Sportler sind Sonntag und Montag jeweils Reisetage, dann folgen drei Tage Training und zwei Tage Wettkampf. Die Weltcup-Rennen werden dabei in zwei Läufen innerhalb eines Tages ausgetragen. Bei der WM hingegen gehen die Rennen über zwei Tage. Wie für die Reisezeit der Athleten sind auch für den Equipment-Transport von Wettkampfort zu Wettkampfort lediglich zwei Tage vorgesehen, mehr nicht. „Einen Puffer gibt es nicht – der Tag und die Uhrzeit stehen fest,“ sagt Robert Knestele. Bei besonders weiten Entfernungen zwischen den Sportstätten wird das Equipment daher „just in time“ angeliefert. Es kommt auf einen abgesperrten, gesicherten Bereich des Veranstaltungsgeländes, wo es die Athleten auspacken, prüfen und griffbereit im Lager verstauen.

Die Wettkämpfe sind vorbei. Gerade noch standen die Athleten auf dem Siegerpodest und haben die Medaillen entgegengenommen. Und schon gehen ihre Bobs auf die Weiterreise. Die Uhr tickt für unsere DHL Transportprofis... Denn nur zwei Tage Reisezeit bedeuten auch, dass die Ausrüstung in der Regel schon eine Stunde nach der Siegerehrung eingepackt werden muss – ein straffes Timing für alle Beteiligten. Das Equipment muss am jeweils nächsten Ort pünktlich zum Trainingsbeginn zur Verfügung stehen. Da jede Bobbahn etwas anders ist, bekommt jede Nationalmannschaft Time Slots fürs Renntraining in der Eisbahn. Danach richtet sich auch der Anlieferungszeitpunkt für die Logistik. Die Bahnen unterscheiden sich sehr stark: Sie variieren zwischen 1.100 und 1.700 Metern Länge und haben ganz unterschiedliche Charakteristika hinsichtlich ihrer Kurven, ihrer Breite und damit auch ihres Schwierigkeitsgrades. Je nach Bobbahn erreichen die Kufen-Cracks Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h. Auch die Eisverhältnisse ändern sich täglich. Daher ist das Training vor Ort so wichtig.

Am Ende der Weltcup-Saison einschließlich der WM werden die Bobs und Skeletons ebenso wie die Mitglieder der Nationalmannschaften satte 22.000 Kilometer zurückgelegt haben. Mit im Gepäck, und zwar im Handgepäck, sind dann hoffentlich wieder haufenweise Medaillen – wie in der letzten Saison: Beim Weltcup 2018/19 haben die deutschen Bobfahrer sage und schreibe 21-mal Gold abgeräumt und die Skeletonis dreimal. Und bei der WM 2019 gab es insgesamt drei Medaillen für die Skeleton- und vier für die Bobfahrer. Ein enormer Erfolg für die deutschen Nationalmannschaften – unsere „Formel 1 des Wintersports“.