Bobs, Skeletons und Rennrodel
auf Weltreise

Wie DHL Logistikprofis die Spezialtransporte managen

Von Berchtesgaden bis nach Asien

Los geht es in Berchtesgaden, unweit vom Königssee, wo der BSD (Bob- und Schlittenverband für Deutschland) zu Hause ist. 43 deutsche Top-Athleten sowie das Trainer- und Betreuungsteam packen ihr Equipment in große Alu-Kisten – das tun sie am liebsten selbst. Auf diese Weise haben sie ein Auge darauf, dass kein wichtiges Teil vergessen wird. Auf der Packliste stehen Schlitten, Trainingsanzüge, Helme, Handschuhe, Schuhe, aber auch Werkzeug und Fitnessgeräte wie Hanteln. Die Sportkleidung wird gleich doppelt eingepackt. Auch für die Kufen gibt es Ersatz, nur die Schlitten selbst existieren jeweils nur einmal. Insgesamt kommen 13 große Bob- und ca. 20 Rodel- und Skeleton-Kisten mit vielen, einzelnen Teilen zusammen.

Die Sportler packen ihre Bobs selbst in die großen DHL Container, wie unsere Slideshow mit Impressionen von den Vorbereitungen für den Übersee-Transport zeigt:

Beim initialen Packen und Verladen der Kisten in Berchtesgaden ist Marcel Morgens dabei, Project Manager bei DHL Global Events Logistics. Er betreut die Transporte operativ zusammen mit Michael Schwab, dem Teambetreuer des BSD. Die Weltcup-Reiseroute umfasst sieben und für die Rennrodler zehn Stationen. Gleich danach folgt das absolute Saison-Highlight für die Bob- und die Skeleton-Fahrer: die renommierte WM im sächsischen Altenberg. „Alle Transportwege werden vorab minutiös geplant und mit allen Beteiligten abgestimmt, damit das enge Timing eingehalten werden kann“, erläutert Morgens. „Gleichzeitig müssen wir flexibel bleiben. Kurzfristige Änderungen bleiben in unserem Job nie aus. Zum einen können technische Probleme in den einzelnen Bahnen auftreten. Zum anderen können jetzt aktuell plötzlich Reisebeschränkungen aufgrund der Pandemie hinzukommen. Die Rennen starten für diese Saison am 20. November 2020 in Sigulda, Lettland. 16 Wochen später finden dann die finalen Weltcup-Rennen in Janqing bei Peking statt.

Die gepackten Kisten mit den Bobausrüstungen wiegen gut sieben Tonnen, zusammen mit dem diesjährigen zusätzlichen Rodel-Equipment sind es gut 10,5 Tonnen. Denn es kommen noch ca. 20 Rennrodel-Kisten dazu. Alles wird in Lkws und Kleintransporter verladen. Wo immer es geht, wird zu Lande transportiert; in dieser Saison reisen die Bobs, Rennrodel und Skeletons lediglich nach Peking auf dem Luftweg. Ist das große Packen auf dem BSD-Gelände in Berchtesgaden geschafft und alles in die DHL Trucks verladen, kommt Vorfreude auf:

Präzise Vorbereitung für enges Timing

Prüfstellen durchläuft die Spezialfracht während der Weltcup-Saison für die Hin- und Rückflüge von München nach Peking. Bei der Sicherheitskontrolle werden die Kisten durch einen riesigen Frachtscanner geschoben. Er durchleuchtet die Fracht mittels Röntgenstrahlen. Damit auch dort alles wie am Schnürchen läuft, haben Marcel Morgens und Michael Schwab alles bestens vorbereitet: Es befinden sich keine Gefahrgüter in der Fracht und es muss auch nichts deklariert werden.

„Um den Zoll zügig zu passieren, hat es sich bewährt, die Fracht nicht nur ordentlich zu beschriften“, verrät uns Robert Knestele, Head of Sales bei DHL Global Events Logistics, „sondern auch mit einem Foto des Inhalts zu versehen. In der Vergangenheit war das schon bei vielen internationalen Transporten nützlich“, sagt der Logistikexperte, der seit mehr als 20 Jahren Logistiktransporte für Events betreut. „Je weniger man erklären muss, desto besser“, ist seine Devise. Schließlich sind Güter wie Bobs nicht jedem Zoll-Mitarbeiter vertraut. Außerdem helfen die Bilder bei etwaigen Sprachbarrieren und verhindern auf diese Weise, dass die Kisten durch den Zoll geöffnet werden, was den Zeitplan gefährden kann. DHL Projektmanager und die Fahrer verladen die wertvolle Fracht gemeinsam in die 40-Tonner:

Kalender und Uhr immer im Blick

Für die Sportler sind Sonntag und Montag jeweils Reisetage, dann folgen drei Tage Training und zwei Tage Wettkampf. Die Weltcup-Rennen werden dabei in zwei Läufen innerhalb eines Tages ausgetragen. Bei der WM hingegen gehen die Rennen über zwei Tage. Wie für die Reisezeit der Athleten sind auch für den Equipment-Transport von Wettkampfort zu Wettkampfort lediglich zwei Tage vorgesehen, mehr nicht. „Einen Puffer gibt es nicht – Tage und Uhrzeiten stehen fest,“ sagt Robert Knestele. Bei den größeren Entfernungen wie zum Beispiel nach Sigulda und natürlich nach Peking, wird das Equipment daher „just in time“ angeliefert. Es kommt auf einen gesicherten Bereich des Veranstaltungsgeländes, wo es die Athleten auspacken, prüfen und griffbereit im Lager verstauen.

Die Wettkämpfe sind vorbei. Gerade noch standen die Athleten auf dem Siegerpodest und haben die Medaillen entgegengenommen. Und schon gehen ihre Bobs, Skeletons und Rennrodel auf die Weiterreise. Die Uhr tickt für unsere DHL Transportprofis... Denn nur zwei Tage Reisezeit bedeuten auch, dass die Ausrüstung in der Regel schon eine Stunde nach der Siegerehrung eingepackt werden muss – ein straffes Timing für alle Beteiligten. Das Equipment muss am jeweils nächsten Ort pünktlich zum festgelegten Trainingsbeginn zur Verfügung stehen. Danach richtet sich auch der Anlieferungszeitpunkt für die Logistik. Am Ende der Weltcup-Saison einschließlich der WM werden die Bobs, Rennrodel und Skeletons ebenso wie die Mitglieder der Nationalmannschaften satte 28.000 Kilometer zurückgelegt haben. Mit im Gepäck, und zwar im Handgepäck, sind dann hoffentlich wieder haufenweise Medaillen – wie in der letzten Saison: 2019/20 haben die deutschen Bobfahrer sage und schreibe 16-mal Gold abgeräumt und die Skeletonis neunmal. Ein enormer Erfolg für die deutschen Nationalmannschaften – unsere „Formel 1 des Wintersports“.

Reisetagebuch 2020/21: Weltcup und WM in Bildern